Deutschland – das Schlusslicht der Energiewende

Schon seit Anfang der 2000er Jahre diskutieren deutsche Politiker die Umsetzung der Energiewende.
Lange war Deutschland im Umbau des Energieversorgungssystems auf Erneuerbare Energien ganz vorne. In den letzten Jahren kann davon jedoch keine Rede mehr sein.

Ziel der Energiewende in Deutschland

Die deutsche Bundesregierung hat sich vorgenommen, die nationalen Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um mindestens 40% gegenüber 1990 zu senken. Bis 2050 soll das ganze Land weitgehend treibhausgasneutral sein.

Deutschland auf den letzten Plätzen

Das Ergebnis überrascht. Aktuell verbindet die Energiewende überdurchschnittliche Kosten mit unterdurchschnittlichen Ergebnissen. Die Energieeffizienz wird nur langsam gesteigert, der Energieverbrauch stagniert auf einem hohen Niveau und der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung wächst zu langsam.

In einem Handelsblatt-Ranking landet Deutschland im Ländervergleich auf den letzten Plätzen, was die Dynamik der Energiewende angeht. Das liegt unter anderem auch am Kohlestrom. Dieser beträgt in Deutschland noch immer 42%. In den letzten Jahrzehnten hingegen hat Dänemark seinen Anteil an Kohle von immerhin 91 auf 28% und Großbritannien von 65 auf 9% reduziert.
Und in der Kategorie „ Umwelt & Klimaschutz“ ist Deutschland durch seinen hohen CO2-Ausstoss weltweit auf Platz 61. Auch beim Strompreis ist Deutschland ganz weit hinten. In privaten Haushalten liegen diese bei über 46% und bei der Industrie über 14% höher als bei unseren europäischen Nachbarn.

Klimawandel – ein Problem das alle betrifft

Der Klimawandel ist ein Fakt, daran zweifeln nur noch wenige. Die Wettertrends zeigen steigende Temperaturen, Gletscher schmelzen und der Meeresspiegel steigt. Die Folgen des Klimawandels sollen in den nächsten Jahren allerdings noch dramatischer werden. Klimaforscher und Umweltschutzorganisationen aus der ganzen Welt warnen: Die Welt befindet sich im Ausnahmezustand.

Eine aktuelle Studie des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) identifiziert neue Klima-Kipppunkte, die sich gegenseitig verstärken und den Planeten in eine neue „Heißzeit“ führen können. Die schlimmste Prognose der Forscher sagt langfristig höhere Temperaturen von 4 bis 5 Grad und einen Anstieg des Meeresspiegels von 10 bis 60 Metern voraus.

Auch wenn dieses Extrem-Szenario nicht eintritt – der Hitze- und Dürresommer 2018 wird kein Einzelfall bleiben. Das Klima wird sich langfristig verändern. Das hat weitreichende Auswirkungen auf die Umwelt und die Lebensgrundlagen vieler Millionen Menschen.

Klimawandel ein Problem, das dringend Lösungen verlangt. Deshalb treffen sich regelmäßig die Vertreter der meisten Länder dieser Erde, um die Eindämmung des Klimawandels zu diskutieren. Auf dem Pariser Klimatreffen 2005 wurde zuletzt das Zwei-Grad-Ziel festgelegt, das den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur gegenüber dem vorindustriellen Niveau auf maximal 2°C begrenzen soll. 196 Länder verpflichteten sich, auf nationaler Ebene Maßnahmen zur Durchsetzung dieses Ziels zu ergreifen.

Pläne gibt es – doch wer setzt sie um

Während die Politik zu wissenschaftlichen Erkenntnissen schweigt, erstellen Umweltschutzorganisationen und Wissenschaftler detaillierte Aktionspläne. Der Umweltverbund BUND fordert mit einem Klima-Nothilfeplan sofortiges Handeln der Politik und eine Greenpeace-Studie  berechnet, was getan werden muss, damit Deutschland seine Klimaschutzziele erreicht.

Einige Forderungen zusammengefasst sind:

  • Sofortiges Abstellen aller alten, ineffizienten Kohlekraftwerke und die Kapazitäten der übrigen drosseln

  • Bis 2030 müssen alle Braunkohlekraftwerke und bis 2040 alle Steinkohlekraftwerke vom Netz gehen

  • Energiesteuerreform zur stärkeren Belastung fossiler Energien und Entlastung von Öko-Energie

  • Ausrichtung auf dezentrale und lastnahe Stromversorgung aus erneuerbaren Quellen

  • Vermeidung unnötigen Verkehrs sowie Stärkung des öffentlichen Verkehrs und Radverkehrs in Ballungszentren

  • Ausbau der Ladeinfrastruktur und Förderung des Schienenverkehrs

  • Ausbau der Fördermaßnahmen für erneuerbare Energien

Fazit: Politikversagen

Deutschland hat seine Rolle als Vorreiter Erneuerbarer Energien längst verloren. Die Energiewende geht wegen mangelndem politischen Willen nur langsam voran. Der Kohleausstieg wird verschoben, die Klimaziele werden verfehlt, der Ausbau der Erneuerbaren Energien wird behindert und die nachhaltige Verkehrswende verschoben.
Dabei sollte das Thema angesichts wissenschaftlicher Erkenntnisse zu den Folgen des Klimawandels Priorität Nummer eins im Bundestag haben.